Der Reisebericht Mai 2015

Sonntag 17. Mai 2015: Von Berlin nach Oderberg


Heute ist Sonntag der 17.Mai 2015 und ich bin seit fünf Tagen auf der LASSITER. Meine Reise hat also begonnen und einer der Höhepunkte, die Oderfahrt ist schon fast passé! Kaum zu glauben. Aber der Reihe nach:

Am Montag, 11. Mai fahre ich mit dem Auto los Richtung Berlin. In Naumburg an der Saale ist ein Zimmerreserviert: ‚Typisch Naumburg‘ die Pension. Auf dem Marktplatz geniesse ich Spargeln mit Kartoffeln, dazu ein Maibock Bier. Ganz schön stark, aber ich muss an diesem Tag ja nicht mehr Autofahren. Dann noch ein kurzer Stadtrundgang zum Dom. Diesen besuche ich dann am nächsten Morgen noch von innen da schon geschlossen. Aber ich bin nicht so konzentriert; Berlin und die LASSITER rufen.

Am Dienstag 12. Mai erreiche ich nach dem Mittag die Bootsmanufaktur in Berlin Oberschöneweide: Die LASSITER ist eingewassert. Wie beauftragt macht der Motorraum jetzt endlich einen aufgeräumten Eindruck; es ist eine Freude. Und da die Starterbatterien nun ganz nach Backbord versetzt sind schwimmt die Lady jetzt auch eben. Endlich und gut so! Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten zu tun: Eine letzte – wirklich? – Stelle im Decksbelag ist abzudichten; der Scheibenwischer fällt auseinander (Plastik halt) und muss innert Kürze ersetzt werden. Das schaffen sie tatsächlich. Endlich ein Einarmscheibenwischer in Metall wie ich eigentlich schon letztes Jahr gewünscht hatte. So kommt doch Alles wie es kommen muss. Ich werde also am Mittwoch 13. Mai losfahren.

Zuerst nur eine kleine Etappe: Nils (Inhaber der Bootsmanufaktur) will mir seinen neuen Werftplatz am Kalksee bei Woltersdorf zeigen. Ich werde also dort anlegen und Nils treffen. Wir trinken auf der alten Veranda ein Bier zusammen und ich höre interessiert den Ausführungen eines alten Woltersdorfers (80-ig) zu. Er ist Inhaber einer Garagenkette mit 300 Angestellten und war auch zu Zeiten der DDR immer selbständiger Unternehmer. Er hat Autos unterhalten und repariert, auch solche der Regierung und zum Schluss auch von Honeckers Abteilung. Aber er sei auch einmal verhaftet worden. Weiteres dazu sagte er nicht… Ein Rundgang über das Werftgelände, welches 25 Jahre lang brach lag – vorher wurden hier Lastschiffe gebaut – und entsprechend überwuchert war beschloss den Abend. D.h. nicht ganz den ich ass noch Spargeln im angrenzenden Hotel mit Blick auf den See. Und morgen Donnerstag geht es dann richtig los.

Eigentlich sah ich vor, Potsdam nochmals einen Besuch abzustatten und dann über die Oder-Havel-Wasserstrasse und das Schiffshebewerk Niederfinow Richtung Osten zu fahren. Aber die Oder zeigt sich dieses Jahr von der guten Seite: Genau der richtige Wasserstand mit mindestens 120cm Fahrrinnentiefe im kritischen Abschnitt. Das muss man doch wagen und annehmen. Und da sowieso schon im Osten von Berlin entschliesse ich mich also nach Südosten über den Spree-Oder Kanal nach Eisenhüttenstadt zu fahren und dann geht’s die Oder hinunter. Das war eigentlich schon immer mein Traum, nur halt mit etwas Risiko der Schifffahrt im natürlich fliessenden Fluss verbunden.

Den Abend des 14. Mai verbringe ich vor Heckanker und mit Landleine in einer idyllischen Ausstellbucht des Kanals. Vogelgezwitscher und Froschgequake, sonst Ruhe. Zum Nachtessen koche ich mir Beelitzer Spargel.

Morgennebel und Sonne begrüssen mich am Freitag 15. Mai. Und die Fahrt geht weiter durch den Spree-Oder Kanal. Viel Wald, Föhren und Birke, gemischt und sortenrein. Und dann taucht Eisenhüttenstadt auf. Eigentlich war da in den 1950-er Jahren zuerst das Eisenhüttenkombinat Ost (EKO). Wikipedia schreibt: ‚Am 1. Januar 1951 legte Minister Fritz Selbmann den Grundstein für den ersten Hochofen, der am 19. September 1951 den Betrieb aufnahm.‘ Also ziemlich genau so alt wie ich. Und dann kam die Stadt dazu. Entsprechend grosszügig angelegt, denn Platz ist in Hülle und Fülle vorhanden. Und ich habe keine Plattenbauten entdeckt. Wohnhäuser inmitten von viel Grün, solche in schlechterem Zustand und solche von äusserst ansprechender Architektur. Wäre noch interessant, eine Wohnung zu sehen. Und auch eine Hotelruine steht da. Den Abend verbrachte ich dann beim Nachbarlieger im Hafen beim Apéro. Ein Münchner. Sein Schiff heisst Papillon. Die Meinung war, so von Hafen zu Hafen zu ‚papillonieren‘. Seit 15 Jahren hat er den Liegeplatz in Eisenhüttenstadt…

Ich bin etwas nervös, die Odra – so heisst die Oder auf polnisch – ruft. Sie baut auch noch ein paar Zentimeter Wasser für mich auf. Gut so. Es geht am 16. Mai um 0900 Uhr durch die Schachtschleuse Eisenhüttenstadt rund 14 Meter nach unten auf das Niveau der Oder. Sie begrüsst mich mit gut 2.5 Meter Wassertiefe. Und nun gilt es, der Fahrrinnenbezeichnung zu folgen: Gelbe Kreuze am Ufer – Plus Zeichen am rechten Ufer und Mal – Zeichen am Linken zeigen an, wo die Fahrrinne am entsprechenden Ufer etwa ankommt. Rote und grüne Tafeln am Ufer zeigen an, wenn die Fahrrinne am Ufer weiter verläuft. Fehlen diese wechselt die Fahrrinne das Ufer wieder. Hie und da sind auch Bojen gesetzt. Es ist gar nicht so einfach, die gelben Kreuze immer auszumachen. Manchmal hilft nur das Fernglas.

Weite Landschaft und ein natürlicher Fluss. Nur die Buhnen zeigen, dass hier Menschen etwas gewirkt haben um den Fluss schiffbar zu machen. Wir ziehen an Frankfurt Oder vorbei. Viel Stadt ist nicht zu sehen inmitten des Grüns. Es geht alles gut bis zur Warthemündung. Und auch da mit etwas Glück weiterhin gut: Schon vorher hatten die Propeller wahrscheinlich einmal Kontakt mit dem sandigen Grund. Man merkt es kaum, etwas mehr Vibrationen. Das Echolot zeigte immer noch 1.20 Meter Tiefe an, der Tiefgang unter den Propellern ist 1.00 Meter. Und dann vor der Mündung der Warthe, neben einer Boje der Fahrrinne, senkt sich die LASSITER zuerst hinten etwas ab, die Propeller drehen im Sand und scheinen sich etwas einzugraben. Ich nehme Gas weg. Der Sand ist weich, quasi ein Peeling für die Propeller, die jetzt wahrscheinlich blank poliert sind. Die LASSITER fährt weiter, bäumt sich backbords noch leicht auf, gibt dem Sand den letzten Tritt und durch sind wir. Da hatte die Fahrrinne definitiv nicht 128 cm Tiefe, die LASSITER und ich aber Einiges. So muss es eben sein: Spannung, Ereignis und guter Ausgang.

Die Odra weitet sich jetzt zum Strom; die Fahrrinne pendelt im gerade verlaufenden Wasser hin und her, die Tiefe ist jetzt wieder gut zwei Meter. Ich erreiche bald mein Etappenziel Kienitz mit ‚Marina‘ in einem alten Seitenarm. Die ‚Marina‘ ist allerdings nur für kleinere Motorboote geeignet. Ich lege die LASSITER also vor Anker und geniesse Spaghetti und eine ruhige Nacht.

Ein Sonntag mit viel Wind erwartet mich am 17. Mai. Frischer NW wirft Schaumkronen auf die Oder. Die LASSITER lässt sich nicht beeindrucken und zieht ruhig ihre Bahn mit 14 km/h und etwa 2-3km/h Hilfe des Stroms. Die Odra ist eine Schlange und pendelt in geraden Stücken beständig hin und her. Ich treffen nicht immer die richtige Linie, ein paar Mal reduziert sich die Handbreit Wasser unter dem Kiel auf 20 cm, was ja wirklich der Handbreit entspricht! Etwas nervös suche ich die richtigen Stellen des Fahrrinnenverlaufs. Vielleicht stimmt diese auch nicht ganz mit der Bezeichnung überein. Zur Karte jedenfalls bestehen z.T. grosse Unterschiede. Ein Fluss lebt, wie ich bemerke, und schlängelt sich ganz fröhlich und nicht beständig am selben Ort durch die weite ebene Landschaft. Dörfer sind meist nur auf der Karte zu bemerken, vor allem diejenigen auf der polnischen Seite. Wolkenhimmel, Wiesen, Bäume, Wälder. Eine Kuh Herde lagert am Wasser. Eine Raddampferfähre wartet am Ufer auf Arbeit oder andere Zeiten. Eine grosse Flussbiegung, noch fünf Kilometer und ich fahre in das Oberwasser der Schleuse Hohensaaten Ost ein um mich zum Oder-Havel Kanal hinunterschleusen zu lassen. Ich steure die Marina Oderberg an und werde da zwei Nächte bleiben. Das Schiffshebewerk Niedefinow erwartet meine Besichtigung. Nicht mit dem Schiff sondern mit dem Fahrrad. Ich muss mich mal etwas bewegen. Das mache ich schon heute Sonntag 17. Mai mit einer kleinen Rundtour um Oderberg.

Montag 18. Mai 2015: Fahrradtour im Oderbruch


Heute liegt die LASSITER im Hafen Marina Oderberg und ich bin aktiv: Blog schreiben am Morgen und am Abend, dazwischen eine tolle Fahrradtour: Durch das Städtchen (Dorf?) Oderberg Richtung Niederfinow zum Schiffhebewerk komme ich in Oderberg und Liepe an schönen Fachwerkhäusern vorbei. Vieles ist aber eher ernüchternd oder auch halt einfach. Das schönste Haus habe ich fotografiert. Wunderbar renoviert. Das Innere nähme mich Wunder.

Und schon nach Liepe war der Ort des Hebewerks zu sehen: Ein Neues wird neben das Alte gebaut. Von Nahem imponieren beide gleichermassen: Die Eleganz des neuen Stahlbeton/Stahl Verbundbaus mit den gelben Seil Umlenkrädern am Blauen Tragbalken. Zwischen diesem und dem gleichen Parallelen wird der Wassertrog eingehängt werden – so vermute ich. Und das Alte: Dieser düstere Stahlkoloss von 1937, der immer noch leise und sicher funktioniert. Das Prinzip des an Seilen aufgehängten Wassertrogs und den, dessen Gewicht ausgleichende Gegengewichte wird scheinbar auch beim neuen Hebewerk angewendet. Genial, denn das Gewicht des Troges mit Inhalt ist immer gleich: Entweder sortenreines Wasser oder ein Cuvé aus Schiff und Wasser, immer gleich schwer. Schifffahrt ist so etwas von genial…

Das Hebewerk hat ‚extra für mich‘ einen sortenreinen Trog nach unten gebracht. Das Video steht auf der Seite ‚Videos‘ zur Verfügung, wer sich die Zeit nehmen will. Ruhig halten wäre anders… trotzdem imposant und doch so fein, kaum Geräusche, keine Anstrengung. Es muss ohne grosse Kraft nur bewegt werden. Und recht dicht ist der Trog. Das wundert mich, bzw. Hut ab vor der deutschen Ingenieurskunst. Und das nach 78 Jahren Betrieb.

So, die Natur ruft. Ich setze meine Fahrt fort Richtung Bad Freienwalde, vorbei an der Schleuse Liepe des Finowkanals, des ältesten in Deutschland noch Funktionstüchtigen. Für den Tourismus; mit dem Charterführerschein darf hier in idyllischer Umgebung jeder Kapitän spielen – und keine Gebühren. Der deutsche Staat leistet hier Einiges.

Ich möchte in Bad Freienwalde etwas Essen. Fehlanzeige. Aber einen Laden mit Gemüse, darunter Spargeln und Oderbruch Tomaten finde ich, und kaufe ein, dazu auch noch Erdbeeren. Ich denke, die Marina Beiz ist heute geschlossen. (Bei der Rückkehr ist allerdings die Betriebsamkeit zurückgekehrt: Ab 1700 Uhr ist die Küche geöffnet. Mein eigenes Kochen wird warten können; der Spargel ist im Kühlschrank) Ein sich ankündigender Hungerast wird mit zwei Riegeln gedämpft. Das Gelände ist zum Glück flach, allerdings doch hügeliger als gedacht. Verschiedene Moränenzüge garnieren das flache Oderbruch. Die Strassen führen häufig darüber. Training schadet nichts. Am Vorbeifahren muss ich noch den Bahnhof von Bad Freienwalde ablichten; das Beste am Städtchen finde ich.

Über eine stark befahrene Bundesstrasse – der Velo Wegweiser gibt diese Richtung an, ich könnte mich ohrfeigen da ich den besseren Weg gewusst hätte – finde ich zurück nach Oderberg, genehmige mir ein Bier auf dem Boot, eine Dusche im Hotel und anschliessend ein Nachtessen davor, wieder mit Blick zum Hafen mit der tollen LASSITER. Es geht mir gut trotz eher unterkühlten Temperaturen. Und morgen ist Stettin angesagt. Ich denke, ich nehme den letzten Teil der Oder. Der Kanal ist für Warmduscher. Es lebe die Odra. (Mal abwarten was ich morgen Abend dazu sage…)

Dienstag 19. Mai 2015: Von Oderberg nach Stettin


Ich hatte mich gestern entschieden, dem Verlauf der Oder weiter zu folgen und die Hohensaaten – Friedrichsthaler – Wasserstrasse links – ja das stimmt auch geographisch – liegen zu lassen. So habe ich es heute gemacht: Kurz vor 0900 Uhr lege ich in der Marina Oderberg ab und fahre hinter einer Berufsfahrt – ein Schubschiff und zwei Leichter aus Szczecin – Richtung Hohensaaten Schleusen. Da ich annahm, das Schubschiff nehme den Kanal, überholte ich. Zu viel gedacht: An der Schleuse muss ich warten da die Berufsfahrt Vorrang geniesst. Ein Anlegemanöver mehr, kurzes Warten und dann kann ich zusammen mit dem Ledi in der Schleuse Ost nach oben auf das Niveau der Oder gelangen. Anschliessend lasse ich es langsam angehen und laufe mit nur einer Maschine und knapp 9 km/h hinter dem Ledi her, ganz genüsslich noch während gut einer Stunde, dem Hin und Her der Odra und der Berufschifffahrt folgend. Endlich etwas Schiffsverkehr auf der Oder! Und dann laufen wir noch auf eine zweite Berufsfahrt auf, ein Schubschiff mit vier Leichtern voller Sand. Wir überholen und dann gebe ich Schub und drifte mit gut 14 km/h auch an der ersten Berufsfahrt vorbei und habe die Oder für mich klar voraus, diese genügend tief und bald mit etwa fünf Metern auf dem Echolot als Strom träge zu Tale fliessend.

Landschaft wechselt sich mit Landschaft ab. Doch, hie und da ein Dorf, ein Kirchturm. Nachdem ich nun der Oder über gut 150 km gefolgt bin und ich auf diesem Grenzfluss zwischen Deutschland und Polen wechselte verläuft ab km 704 die Grenze entlang der Westoder weiter. Ich fahre auf der Ostoder Stettin zu, damit also jetzt ganz in Polen. Es ist 1240 Uhr. Um 1440 Uhr folgt noch die Brückendurchfahrt Podjuchy, lichte Höhe 2.96m. Wie soll das gehen wenn das Boot mit gelegtem Mast 3.10m hoch ist?? Es geht weil die angegebene Höhe sich auf den HSW, den Höchst Schiffbahren Wasserstand bezieht; dieser liegt rund um einen Meter höher als Mittelwasser MW, das jetzt etwa herrscht. Ich habe den Mast trotzdem vorsichtshalber gelegt. Ich denke, das war gut so; die Brücke ist wirklich niedrig.

Und dann geht’s rechts in die Marina Hotele. Teurer Liegeplatz! Aber alles inkl. Ich koche mir die Spargeln von gestern, geniess den Abend und schreibe noch etwas am Blog.

Es hat sich gelohnt, die Odra zu wählen. Alles ist gut gegangen. Die ganze Oderfahrt war ein Erlebnis und ein langer Traum von mir. Danke Odra!

Samstag 23. Mai 2015: Von Stettin nach Kröslin/Peenemünde


Es ist Zeit, weiter von meiner Reise zu berichten. Ich habe gestern die Marina in Kröslin erreicht, mein Ziel. Es wird, wie heute morgen entschieden, aber noch etwas weitergehen. Nun der Reihe nach.

Wie beschrieben hatte ich am Dienstag 19. Mai Stettin erreicht. Und wer legt am Abend neben der LASSITER an? Ein Schweizer Ehepaar aus La Tour-de-Peilz. Die Schweizer treffen sich in Stettin. Ich bekam Tipps bezüglich Essen und Tanken. Habe beides befolgt und es war ein Erfolg. Am Morgen des 20. Mai lege ich ab mit Ziel Altwarp. Dies ein kleines Fischerdorf auf deutschem Boden direkt an der Grenze zu Polen. Ich hoffe auf guten Fisch! Vorerst fahre ich die Ostoder weiter hinunter bis in den Jezioro Dabie (Dammscher See) Dieser ist etwa 6 Seemeilen lang (1 sm = 1.85 km) und 2 sm breit. Ein paar Blicke zurück geben Ausschnitte von Stettin wieder. Unter einem gleichmässig grauen aber hellen Himmel liegt der See voraus ruhig da. Die LASSITER ist das einzige Schiff unterwegs. Flache Ufer, weiter Himmel. Es wird mir fast schwindlig. Zum Ausgang des Sees hin wird das Wasser spiegelblank. Die Möwen fliegen immer zu zweit knapp über das Wasser dahin, eine davon im Rückenflug.

Am Seeausgang noch ein kurzes Stück flussartiger Wasserlauf und ich erreiche das Hauptfahrwasser der Oder. Und muss einen Halt einlegen da ein kleiner Frachter ausläuft, dessen Weg ich nicht schneiden will und darf. Er zieht rasch vorbei und dann geht’s über die breiter werdende Oder dem Roztoka Odrzanska (Papenwasser) zu. Ich folge weiter der bezeichneten Fahrrinne und zweige am Ende des Papenwassers zum Hafen von Trzebiez ab. Hier werde ich die Dieseltanks relativ günstig nochmals füllen. Ein ruhiger Ort, guter Service und schon fahre ich weiter nach Altwarp. Am Ausgang des Hafens öffnet sich das Stettiner Haff vor mir. Es wird schon richtig meerig. Der östliche Teil des Haffs heisst Grosses Haff, ist fast kreisrund mit einem Durchmesser von etwa 11 sm. Das gegenüberliegende Ufer liegt schon unter der Kimm; die Erdkrümmung ist gut erkennbar. Altwarp liegt an der schmalen Stelle des Haffs wo das Grosse in das Kleine übergeht. Das Kleine Haff ist eigentlich nur schmaler (8 sm) dafür mit 15 sm länger.  Und flach sind übrigens beide, mit einer Tiefe von vier bis fünf Metern. Ich folge vorerst dem Hauptfahrwasser mit den Markierungsleuchttürmen, welche teilweise von Kormoranen besetzt sind, dann den Markierungsbojen für den Kurs vom Grossen zum Kleinen Haff und halte dann nach Backbord (links) Altwarp zu. Das ist aber gar nicht so einfach da viele Stellnetze weite Teile der Wasserfläche beanspruchen. Ich muss etwas ausholen und finde auf dem offiziellen Weg entlang der deutsch-polnischen Grenze den Weg nach Altwarp. Ich bin aber im ersten Moment gar nicht so sicher, ob das eine gute Idee war! Ich erkenne mit dem Fernglas einige Wohnmobile in Hafennähe. Ich lege aber an und finde den Ort eigentlich ganz gut. Einige Wohnmobile stehen direkt am Hafen, vis-à-vis der LASSITER. Deutsche aus verschiedenen Städten. Die Männer häufig am Fischen im Hafen. Eine ruhige Stimmung. Ich nehme das Fahrrad und suche die einzige Beiz im Ort, ‚Gregors Fischgaststätte‘ und esse hervorragenden Haffaal – Aal aus dem Haff halt – mit Bratkartoffeln draussen in der Sonne. Den Windbreaker Pullover lasse ich aber an! Zurück im Hafen melde ich mich beim freundlichen Hafenmeister und geniesse anschliessend den äusserst ruhigen Abend. Weit und breit kein Motorenlärm, nur Natur gleich Vogel- und Froschstimmen zu Tausenden. Rüdlingen ist betreffend Hintergrundlärm des Menschen laut gegen das hier erlebte!

Der Morgen des 21. Mai begrüsst mich mit strahlendem Sonnenschein nachdem am Abend noch leichter gewittriger Regen gefallen war. Der Wind frischt auf, etwa Windstärke 3. Es wäre ideales Segelwetter! Ich warte noch bis um 1100 Uhr, da öffnet der Fischladen im Hafen. Es gibt frischen Fisch: Barsch, Zander, und auch Karpfenfilet. Davon kaufe ich ein Stück. So, nun kann ich Auslaufen. Ich möchte mit der LASSITER nochmals vor Anker liegen und werde das Achterwasser von Usedom ansteuern. Ich durchfahre also das Kleine Haff und erreiche den Peenestrom am westlichem Ende des Haffs. Die Peene wäre auch ein Ziel, sie ist schiffbar, für die LASSITER zumindest ‚hinauf‘ bis in den Kummerower See. Das muss warten. Ich folge weiter der Peene flussabwärts. Von Fliessen kann aber keine Rede sein; das Wasser liegt ruhig da. Was soll in so einem flachen Land denn fliessen? Die Peene wird breiter und öffnet sich steuerbords zum Achterwasser. Es gibt einige Steine zu umfahren, was dank GPS heute nicht mehr schwierig ist. Ich finde den ruhigen Ankerplatz im Krienker See und bin recht müde. Ich brate mir den Karpfen und Kartoffeln, ein zarter Genuss. Es hätte locker für zwei gereicht! Der Abend ist ruhig; ein weites ruhiges Land unter einem unendlichen Himmel. Ein Seeadler fliegt vorbei. Traumhafte Wolkenbilder. Traumhafter Sonnenuntergang und Tagesschluss mit Kitsch. Müde krieche ich in die Koje.

Am Morgen des 22. Mai scheint wieder sie Sonne. Eine leichte Briese aus SW riecht nach Wetterumschlag. Aber nichts Ernstes. Nach dem Frühstück gilt vorerst einmal Rein Deck! Es liegt immer noch viel Blütenstaub in der Luft und sammelt sich auf dem Deck. Eine gelbe Fülle! Um 1000 Uhr lichte ich den Anker und lasse es langsam Richtung Kröslin angehen. Meinen vorgesehenen Kurs aus dem Achterwasser, rechts am grossen Steinhaufen ‚die hohe Schar‘ vorbei muss ich korrigieren da Stellnetze den Weg versperren und ein Ausweichen nicht möglich erscheint. Also nach Backbord um die ‚hohe Schar‘ herum. Voraus Richtung Peene – das Fahrwasser ‚verengt‘ sich wieder zum Fluss – bemerke ich viele Segler die in die selbe Richtung wie die LASSITER laufen. Ich vermute, dass die Öffnungszeit der Klapprücke in Wolgast die Konzentration verursacht. Und es ist so. Für mich und die LASSITER kein Problem, da die Brückenhöhe von rund fünf Metern gut ausreicht. Die Segler warten, ich fahre elegant vorbei. Um 1320 Uhr erreiche ich die Marina Kröslin. Eine grosse moderne Marina mit 90% Seglern belegt. Die Marina ist toll ausgebaut mit allen Bequemlichkeiten. Aber es gibt nur die Marina, das Dorf Kröslin bietet wenig bis nichts. Busverbindung? wenig. Ich bin ohne Auto ziemlich verloren. Das Essen im Marina Restaurant ist gut aber Abwechslung? Ich telefoniere am 23. Mai mit Greifswald. Ich kann da anlegen, allerdings kein fester Platz aber das geht. Ich werde also am Montag nach Greifswald fahren und mir die Lage dort ansehen. Morgen Sonntag besuche ich das Museum in Peenemünde, bin gespannt. So, es ist spät geworden, die Koje ruft.

24. Mai 2015: Besuch in Peenemünde


Die LASSITER liegt in der Marina Kröslin und ich besuche Peenemünde. Am Morgen ist der Himmel noch bedeckt. Der gestern eingelaufene grosse Segler mit einer Altherren Mannschaft läuft aus. Ich nehme die kleine Fähre um 1040 Uhr; ich bin nicht der Einzige! Die Überfahrt dauert nur kurz, allerdings erfolgt vor dem Anlegen noch eine Runde im Hafenbecken von Peenemünde mit Kommentar durch den Kapitän der Fähre. Dies gibt einen ersten Überblick: Nebst dem Historisch-Technischen Museum, welches in den Gebäuden der Raketenentwicklung des dritten Reiches angesiedelt ist, gibt es im Hafen das U-Boot U461 der baltischen Rotbannerarmee sowie ein Raketenschnellbot der Volksmarine zu besichtigen. Eine menschenerzeugte kriegerische Gegend, ganz im Gegensatz zur weiten grosszügigen Landschaft und dem Meer bzw. dem Peenestrom. Da gibt es von Allem in Fülle und es braucht keine Kriege, ausser für das Ego halt. Unterdessen scheint aber die Sonne!

Ich besuche zuerst das U461. Von aussen ein martialischer Eisenkoloss, rustikal verarbeitet aber so was von massiv! Also, vorne geht’s rein, durch die Röhre durch und hinten wieder ans Licht. Eigentlich unvorstellbar da drinnen länger zu leben. Die Kinder schauen mit distanziertem Interesse und sind gerne wieder draussen. Technik unverkleidet wohin du siehst. Welches Rad bewirkt was? Und wieder zwänge ich mich durch eine der Sektionsluken. Dass ein so grosses Ding – von aussen – innen so eng sein kann! Der Mensch ist nur das kleine Rädchen, das die Maschine am Laufen hält und bekommt nur ein Minimum an Platz. Komfort keinen. Charlie Chaplin lässt grüssen, Modern Times. Noch durch den vorderen Torpedoraum. Wirklich eine schöne Technik die Doppelschrauben zum Antrieb der Torpedos. Schade dass ihre erfolgreiche Arbeit zu ihrer Zerstörung führt. Ich tauche wieder zum Licht auf und mache mich mit dem zum Glück mitgenommenen Fahrrad auf zum Historisch-Technischen Museum.

Es ist Alles gross, die Landschaft, der Himmel, die Distanzen und die Gebäude der nationalsozialistischen Architektur. Sauber, geradlinig gross(artig). Das wage ich kaum zu sagen aber es hat schon was. Und das war ja damit auch beabsichtigt. Mich hat schon das Hotel ‚Elephant‘ in Weimar beeindruckt, auch von den Nazis umgebaut zu dem, was es jetzt darstellt. Und hier eine Entwicklungsstätte und Produktion für Raketen, sauber in Klinker aufgemauert, geradlinig und klar. Man darf sich kaum, soll aber – dies auch ein Thema des Museums, vorstellen, welches Leid die Kreation dieser Anlage und die Produktion der Raketen für die Zwangsarbeiter und KZ Häftlinge bedeutet haben, die hier gezwungen wurden für das dritte Reich zu arbeiten.

Und beeindruckend, was die Deutschen da entwickelt haben. Leider zum Kriegszweck: Die sogenannte V1 und V2:V2 die elegante Rakete mit Flüssigtreibstoffantrieb, deren Technik auch für die späteren amerikanischen und russischen Raketen verwendet wurde. Die amerikanische Saturn 5 basiert auf dieser Technik. Es ist ja mit Werner von Braun der selbe Ingenieur beider Vater! Und die V1, quasi der Marschflugkörper, nicht ferngesteuert sondern mit Kreiseln auf Kurs gehalten. Davon wurden über 10’000 auf gegnerische Städte abgefeuert. Die Reichweite betrug gegen 300km. Beeindruckend, abstossend; der menschliche Erfindergeist ist grossartig, beängstigend. Ich gehe nachdenklich zur Hafenbar ‚zum schmalen Hering‘ und esse ein Matjesbrötchen und trinke ein Bier. Gestärkt nehme ich noch das Raketenschnellboot in Angriff: Die Kojen sind etwas grosszügiger als im U-Boot, die Technik ist etwas weniger bedrängend. Eigentlich unangenehm ist dieses Objekt aber auch. Auch der Gefechtsantrieb mit zwei Gasturbinen mit je 10’000 PS helfen mir da nicht weiter.

Ich fahre noch eine Runde mit dem Fahrrad zum Flugplatz. Viel davon sehe ich nicht. Für die Rundfahrt reicht es nicht da die letzte Fähre um 1600 Uhr zurück nach Freest und Kröslin fährt. Zurück auf der LASSITER geniesse ich noch die zweite Hälfte einer geräucherten Makrele mit Brot und Bier, besuche noch die Kirche von Kröslin und bewundere deren Mauerwerk, welches mir irgendwie bekannt vorkommt. Die Kastanienbäume stehen in voller Blüte. Und der herrliche Tag beschliesst sich mit einem wunderbaren Sonnenuntergang.

25. Mai 2015: Von Kröslin nach Greifswald


Heute fahre ich wie angekündigt mit der LASSITER von Kröslin nach Greifswald in den Hafen Yachtzentrum Greifswald, nahe der Stadt. Es gilt in Wieck an der Mündung der Ryck die älteste noch funktionstüchtige Holz Klappbrücke Deutschlands zu durchfahren. Diese öffnet zu jeder vollen Stunden ausser um 1200 Uhr. Ich plane für die Fahrt über 20 sm 2.5 Stunden ein und legte um 1050 Uhr in Kröslin ab. Ein letzter Blick zurück: Eine gut ausgebaute Marina mit jedem Komfort, halt etwas abgelegen. Aber zur Stationierung der Segelyacht und Anfahrt mit dem Auto wirklich gut gelegen.

Voraus öffnet sich bald der Blick zum Greifswalder Bodden, eine nach Osten zur Ostsee hin offene flache Bucht von rund 12 sm Durchmesser, also etwa 20 km. Die zu Anfang der Fahrt noch leichte Brise flaut ab. Es wird etwas bleiern. Beim Abzweiger zur ‚Knaakrücken Rinne‘ Begegnung mit einem Schiff der Küstenwache. Ich warte, ein Segler unter Motor kreuzt den Kurs der Küstenwache ohne Probleme. Ich bin da wahrscheinlich zu vorsichtig. Nach der Passage der Rinne zum Industriehafen Lubmin frischt der Wind auf und weht mit 3-4 Bf aus WNW. Es baut sich in dem flachen Gewässer – der Greifswalder Boden ist weniger als 10 Meter tief – schon ein gewisser Wellengang auf und ich werde leicht durchgeschüttelt. Die LASSITER geniesst es, glaube ich. Endlich aus den schmalen Kanälen raus auf die See! Daher stammt sie ja auch, allerdings von der Nordsee, sie nimmt aber auch die Ostsee. Ich fahre mit nur 6 Knoten, da ich viel zu früh dran bin und nicht zu lange vor der Brücke warten möchte. Beim Einschwenken in die Rinne nach Greifswald – wobei gut ausserhalb gefahren werden kann, die Wassertiefe ist weitherum genügend – erreicht mich Andrea per Telefon und ich rede länger mit ihm während ich mich von den ebenfalls nach Greifswald strebenden Seglern klar halte. Dann mache ich Schluss mit Telefonieren und konzentriere mich auf die vielen Segler, denn es laufen auch Einige noch aus, zum nachmittäglichen Segeltörn. Ich laufe langsam in den Hafen Wieck mit der Klappbrücke ein, lege aber nicht an wie viele Segler es tun, sondern warte mit laufenden Motoren und beobachte das Treiben, buchstäblich. Pünktlich um 1400 Uhr öffnet sich die Brücke und in Einerreihe geht es gesittet – nicht wie in Holland, ich kann es mir nicht verkneifen – Richtung Greifswald, dem Lauf der Ryck folgend, weiter. Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 4 Knoten wird von Allen eingehalten. Ich erreiche nach rund 2.5 sm, also nach etwa 40 Minuten langsamer Fahrt das Yachtzentrum Greifswald.

Ich soll mich auf Platz J18 legen!? Ein Platz aussen in der Ryck zwischen Pfählen. Die Pfähle stehen rund 20 m vom Steg entfernt. Ich muss also beim Einfahren die Leinen legen. Ich organisiere Fender und Leinen, dabei wird die Lassiter immer wieder leicht durch Wind und doch etwas Strömung der Ryck abgetrieben. Raum ist nicht so viel und weitere Segler kehren heim. Dann bin ich soweit. Aber wo ist J18? J ist klar, der Steg ist gut bezeichnet. Dann finde ich mit dem Fernglas verblichene weisse Schriftzeichen am Holz des Steges aufgemalt. Also 11 kann ich erkennen. In welcher Richtung wird gezählt? Aha, da ist auch noch die 13 erkennbar, 15 so knapp lesbar. Jetzt kann ich abzählen und laufe den Platz 18 leicht nervös, aber so ruhig ich kann an. Trotzdem stehe ich mitten in der Fahrrinne und das Fahrgastschiff STUBNITZ nähert sich schnell wie ich bemerke. Also nichts wie rein in den Platz. Ich lege die LASSITER mittschiffs an den Pfahl im Lee, da steht sie gut und ich bringe die Heckleinen aus. Es gibt zum Glück Leinen von den Pfählen zum Steg die etwas Führung geben. Dann weiter bis zum Steg. Bugleinen an Land, Heckleinen noch überkreuzen, Bugleinen dichter, Heckleinen Länge korrigieren, Bugleinen noch etwas dichter, Heckleinen fest. Bugleinen fest, Bier öffnen, geschafft.

Es hat sich gelohnt nach Greifswald zu Fahren. Essen ab 1800 Uhr in der ‚Tischlerei‘ sehr gut –  Michelin ‚Bib Gourmand‘. Hafenmeister sehr nett. Umgebung ruhig. Stadt nah. Also die LASSITER kann bis Anfang August gut hier bleiben. Im Hafen viele Segelyachten auch hier. Mehrere gigantische Hanse 575 stehen zum Ausrüsten am Steg. Die Werft hat hier ein Verkaufscenter. Und auch auf Platz J15 liegt eine Hanse 455, das wär so meine Wunschgrösse. Schönes Boot. Es lockt mich schon wieder zu Segeln! Bin morgen gespannt auf die Stadt. Treffen mit Monique in Berlin am Samstag ist eingefädelt, Hotel Regent reserviert. Wir geben es gediegen. Im Stil der LASSITER halt!

26. Mai 2015: Besuch Greifswald


Meine Eindrücke von Greifswald: Schön, und sehr schön hier zu sein. Und gute Fischbrötchen! Wohl das Beste, das ich bisher hatte… Der Morgen begann sonnig und mit einem Telefonat mit Monique zur Organisation unseres Wiedersehens in Berlin. Dann von Westen dunkle Wolken, die es auch Ernst meinen und etwas Regen bringen. Aber wirklich starken Regen erlebte ich hier bisher nicht, auch heute nicht: Die LASSITER weist immer noch Spuren von Salzwasser der Fahrt vom Montag – gestern war das erst! – auf. Die Wolken stauen sich an Nichts bei dieser Fläche. Also steigen sie nicht, müssen sie nicht Pissen. So einfach ist das. Sie ziehen mit vollen Hosen weiter und tröpfeln nur hie und da. Anschliessend folgt gleich wieder Sonnenschein mit Schönwetterwolken. Ich mache mich auf zum nahe gelegenen Museumshafen. Erstes Schiff mit Anpreisung von fangfrischem Fisch. Zweites Schiff mit Fischbrötchen mit Brathering; riecht nach Öl und muss ich nicht haben. Drittes Schiff stimmt. Schönes Schiff die ‚Pomerie‘ und wie gesagt das beste Fischbrötchen meiner kurzen Fischbrötchenkarriere, welche 2011 in Aurich begonnen hat. Monique, Sarah und Andrea waren dabei. Damals ein Standard ‚Nordsee‘ Matjesbrötchen: Gut und von einhandlicher Grösse. Hier ein Matjesbrötchen von zweihändigen Ausmassen, will heissen MATJESBROT: Guter Matjes, gute Gurken, etwas Ei, frische Zwiebelringe und noch mehr in einem frischen weissen Brot. Dazu ein dunkles Bier aus Prag. Weich und mild, ein Traum. Und das für zusammen 4 Euro Achtzig! Die Sonne lacht hinter dem Kumulus hervor und freut sich mit mir ob all dem Guten um mich herum.

Dann geht’s in die Altstadt. Rechtwinklig angelegte Strassen und kompakter Grundriss machen die Orientierung leicht. Also vom Ryck (Fluss, und das habe ich im Text von gestern noch korrigiert: Ryck heisst der Fluss und Wieck der Stadtteil von Greifswald an der Mündung der Ryck in den Greifswalder Bodden, so geht das und ist mir beim Überschreiten der Brücke beim Museumshafen aufgefallen, ‚Ryck‘ steht da deutlich angeschrieben) und Museumshalfen rechtwinklig abgehende Strassen. Ich nehme eine davon und Fotografiere da hinein. Von Nahem noch einmal: Tatsächlich ein Plattenbau in Klinkeroptik. Es geht also auch etwas phantasievoller als nur in simplem Beton. Weitere Klinkerfassaden auf dem Marktpatz, neben verputzten. Der Marktplatz ist aktiv, Polen verkaufen Gemüse und Anderes. Weiter zum Dom St. Nikolai, das Wahrzeichen von Greifswald. Klinker aussen, innen verputzt in Hellgrau/Weiss. Teilweise noch bemalt. Ein Gerüst deutet auf Renovation hin. Weiter dann im Bogen südlich um die Altstadt herum durch eine schöne Allee. Es gäbe auch noch einen Botanischen Garten der Uni zu besichtigen. Ich kaufe an einem Stand polnische Spargeln, erste Qualität zu 2 Euro das halbe Kilo. Dann am Marktplatz lockt mich noch ein Weinhaus in seine Auslagen: Serranoschinken, eine Flasche Sylvaner aus Würzburg und etwas milder Weichkäse sind die Mitbringsel. Dazu noch eine kleine Stange Lübecker Marzipan. So, ab zurück aufs Boot. Etwas Fotografieren vom Boot aus. Herumsitzen. Dann Spargeln kochen. Wunderbar zarte Spargeln mit geringer Kochzeit, sie erinnern mich an die Rafzer, Mayonnaise mit einem Schuss Balsamico da die Zitrone fehlt, und das TopClass Abendessen garniert mit dem Serranoschinken ist perfekt. (Die Mayo mache ich wieder auf diese Art)

Abschluss mit Nespresso und Marzipan nach dem Käse. Die Flasche Sylvaner ist noch halbvoll. Das bleibt so und der Tag ist perfekt. Da fällt mir ein, noch zwei Karten zur Dokumentation meiner Reise zu Fotografieren. Ich stelle die Geografie für diejenigen, die sich dafür interessieren, auf einer separaten Seite dar.

So, ich hoffe, ich kann euch mit meinem Blog etwas meine Faszination für die Gegend näher bringen. Wirklich phantastische dies Alles.

4. Juni 2015: Besuch von Usedom und Rügen


Ich bin seit zwei Tagen wieder zuhause. Drei Tage Berlin zusammen mit Monique haben meine Reise mit der LASSITER wunderbar abgerundet. Ich kann aber noch von Usedom und Rügen berichten. Die zwei Inseln habe ich mit dem Auto am 28. und 29. Mai besucht.

Am Donnerstag 28. Mai miete ich ein Auto in Greifswald. Damit werde ich dann am Samstag auch nach Berlin fahren. Wenn ich an den schweren Seesack denke sicher bequemer als der Zug! Um die Mittagszeit mache ich mich auf nach Usedom. Die Insel erreiche ich über die Brücke in Wolgast, welche ich am 22. Mai mit der LASSITER schon gekreuzt habe, die Klappbrücke wo die Segler warten mussten. Weiter folge ich der Hauptstrasse Richtung Zinnowitz, eines der Seebäder von Usedom. Eine Stau erzeugende Baustelle auf der Hauptstrasse umfahre ich, indem ich in den Ort abzweige und mein Auto nahe der Seebrücke parkiere. Sehr touristisch! Aber klar, dazu ist das Seebad ja da. Ich betrete die Seebrücke und folge ihr bis zum Ende. Es gibt da eine Taucherglocke, welche zum Grund fährt. Ich frage mich allerdings, was man da wohl sieht im leicht trüben Wasser und höre die Antwort auf etwa diese Frage von einer andere Person auf der Seebrücke: Nichts!?

Ich bin nicht so begeistert und die Restaurants und Stände mit Essen laden mich auch nicht besonders ein. Ich fahre also weiter, komme nach der Baustelle auf die Hauptstrasse zurück und folge dieser Richtung Südosten. Ich werde bis Heringsdorf und Ahlbeck fahren. Bis nach Heringsdorf bleibe ich auf der Hauptstrasse und folge nur einmal, kurz nach Zinnowitz in Zempin einem Wegweiser zum Achterwasser, zur behaupteten grössten Restaurant Terrasse am Achterwasser. Die Gegend ist nicht so ‚anmächelig‘ und das Hotel von weitem auch nicht. Ich mache mich nach Ahlbeck davon. Die Hauptstrasse entlang der Seebäder verläuft in einigem Abstand zum Strand und ist touristenlastig. Ich vermisse hier die schöne Landschaft. Heringsdorf verpasse ich und lande in Ahlbeck, dem letzten Seebad vor der polnischen Grenze. Eine schöne Strandpromenade mit Musik Pavillon in welchem eine Kapelle ohne Pause Mazurkas, Märsche und Walzer spielt, ein schöner Strand mit den charakteristischen Strandkörben und eine Seebrücke ohne Zubehör. Hier gefällt es mir, das hat Stil. Wie auch das Hotel Ahlbecker Hof, wo ich einen Espresso und ein gutes Stück Kuchen geniesse. Das Standard Fischbrötchen und ein Bier hatte ich schon vorher in einer kleinen Strandkneipe gegessen.

Anschliessen fahre ich über Nebenstrassen Richtung Städtchen Usedom im Süden der Insel und finde hier auch die schöne Landschaft wieder, welche ich bereits von der LASSITER aus erlebt habe. Ich überquere die Brücke bei Usedom zum Festland zurück und fahre durch Gewitterschauer zurück nach Greifswald.

Am Freitag 29. Mai steht Rügen auf dem Programm. Ich will am Morgen losfahren. Daraus wird nichts da ich zuerst den sich an einer Stelle an Steuerbord lösenden Decksbelag reparieren muss. Das eingedrungene Wasser muss ausgetrocknet werden, das dauert. Bis Alles wieder in Ordnung ist, ist Mittag vorbei. Jetzt also los: Über Stralsund und die dortige Brücke erreiche ich die Insel Rügen. Ich folge vorerst wieder der Hauptstrasse, zweige in Samtens dann links ab um über die Wittower Fähre den nördlichsten Teil der Insel Rügen zu erreichen. Bis zur Fähre geniesse ich die schöne Landschaft. Nach der Fähre suche ich meinen Weg zum Kap Arkona auf kleinen Nebenstrassen. Eigentlich einfach da gut bezeichnet. Aber auf den geteerten schmalen Strassen sind viele Radfahrer unterwegs. Vorsicht ist geboten. Und zwischen all dem Grün entdecke ich immer wieder Ferienhaussiedelungen, mal meiner Meinung nach knapp geschmackvoller, öfter weniger. Bauernhöfe gibt’s natürlich auch in der landwirtschaftlich gut genutzten Landschaft, nicht unbedingt immer gut aufgeräumt. Die Gegend macht mir einen unzufriedenen Eindruck. Na ja, schauen wir uns doch das nördliche Kap der Insel Rügen an, Kap Arkona. Auf dem Weg dahin wird jeder im Dorf Putgarten auf einem grossen Parkplatz abgefangen, es führt keine Strasse daran vorbei. Ich parke mein Auto und betrachte die Infokarte: Es sind noch zwei Kilometer bis zum Leuchtturm. Zu Fuss etwas weit da schon spät, es fährt aber auch noch so ein ‚Touri – Strassenzüglein‘ dahin, für zwei Euro ein Weg. Ich finde, das hat keinen Stil und verzichte, zahle vier Euro für das Parkieren und fahre weiter nach Sassnitz. Vorher noch mache ich Halt auf einem der vielen Parkplätze im Föhrenwald auf der schmalen Landverbindung zwischen Breege und Glowe. Ein wirklich schöner Sandstrand – feiner weisser Sand – erstreckt sich hier über viele Kilometer. Sehenswert. Dann erreiche ich durch einige nicht so einladende Dörfer Sassnitz, die Hafenstadt an der Ostküste von Rügen. Ich fahre durch die Stadt bis ganz nach hinten in die Altstadt, parke mein Auto und gehe zu Fuss zum Hafen. Meeresgeruch empfängt mich; Tang wird von der Brandung zwischen den Steinen an der Promenade gespült. Eine lange Seebrücke zeigt Richtung Süden. Daran vorbeigehend erreiche ich den Hafen. Im hintersten Teil versammeln sich die Fischerboote und verströmen echte maritime Stimmung. Fisch wäre jetzt angesagt. Es gibt leider am Hafen kein Restaurant das mich wirklich anmacht. Ich geniesse noch etwas die Abendsonne, gehe zurück zum Auto und fahre auf fast leeren Strassen zurück Richtung Stralsund.

Da ich nun doch hungrig bin, bietet sich ein Besuch von Stralsund an. Es empfängt mich eine richtige Stadt mit vielen Menschen, vielen Restaurants und viel Maritimen: Der grosse Sportboothafen City Marina und nicht zu vergessen der Dreimaster Gorch Fock. Ich geniesse im grossen Restaurant an der City Marina sehr gute Spargeln in der Abendsonne, mache noch einen kurzen Rundgang zum Marktplatz und fahre anschliessend beladen mit vielen neuen Eindrücken zurück nach Greifswald. Morgen Samstag gilt es dann die LASSITER aufzuräumen und nach Berlin zu fahren. Das Ende dieser wunderbaren Reise ist erreicht.

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